Die großen Fallen im Miteinander. Vor kurzem bin ich über zwei Meldungen gestolpert.

  • Ford holt 350 Ingenieure zurück. Menschen, die bereits im Ruhestand waren. Der Grund: Erfahrung und Urteilsvermögen lassen sich durch KI eben doch nicht so einfach ersetzen. Die Meldung ging durch zahlreiche Medien – von BILD bis FAZ.
  • Fast gleichzeitig lese ich im SPIEGEL einen Beitrag von Sara Weber. Ihr Satz bleibt bei mir hängen: „Wer in Zukunft noch Fachkräfte haben will, darf sie heute nicht im Stich lassen.“ Sie fragt: „Wie kann es da sein, dass Politik und Unternehmen trotzdem nicht in junge Menschen und ihre Qualifizierung investieren?“

350 Ingenieure zurückholen. Und gleichzeitig zu wenig in diejenigen investieren, die gerade erst ins Berufsleben kommen.

Merkwürdig, oder?

Für mich erzählen beide Geschichten von demselben Problem: von Generationen, von Übergängen – und davon, wie wir mit Menschen umgehen, bevor wir feststellen, dass wir sie dringend brauchen.
Der junge Kollege braucht noch Erfahrung.
Die ältere Kollegin hat sie. Aber lohnt sich eine Weiterbildung mit 60 noch?
Und die Generation dazwischen? Hält das Tagesgeschäft am Laufen, arbeitet die Jungen ein und soll möglichst noch das Wissen der Älteren sichern.
Willkommen im ganz normalen Führungsalltag.

Was Sie morgen anders machen können:

  1. Ertappen Sie sich bei Ihrem eigenen Altersbild.
    „Dafür ist er noch zu jung.“ „Das lohnt sich für sie nicht mehr.“ Kennen Sie solche Gedanken? Dann ersetzen Sie das Geburtsdatum durch zwei Fragen: Was kann dieser Mensch heute? Was könnte er noch lernen?
  2. Fragen Sie einen jungen Mitarbeitenden nicht nur, was er noch lernen muss.
    Fragen Sie auch: „Was siehst du hier anders als wir?“ Fehlende Erfahrung ist nur die eine Seite. Ein unverstellter Blick kann die andere sein.
  3. Sprechen Sie mit älteren Mitarbeitenden nicht erst über Wissenstransfer und Nachfolge.

Fragen Sie: „Was möchten Sie in Ihren nächsten Berufsjahren noch machen?“ Wer nur über Übergabe spricht, beginnt womöglich mit dem Abschied, obwohl noch einige gemeinsame Jahre vor ihm oder ihr liegen.

Wir sprechen viel über Arbeitskräftemangel.

Dabei lohnt sich manchmal zuerst der Blick auf die Menschen, die morgens bereits durch unsere Tür kommen. Zu jung? Zu alt? Oder genau richtig für das, was als Nächstes kommt?